Die Schönheit der Verletzlichkeit

Verletzung – Kränkung – oft Rückzug

Vielleicht hast Du auch den Satz im Ohr: „Ich wäge sorgfältig ab, was ich wem erzähle, denn dadurch mach ich mich angreifbar!“
Warum denken wir so?

Ich nenne es unsere Verhaltensweisen aus der Vergangenheit“. ZB im Mittelalter mussten wir aufpassen, was wir wem erzählten, denn schnell wären wir am Pranger oder Scheiterhaufen gelandet. Oder im 2. Weltkrieg bedeutete ein „falsches“ Wort Tod. In dieser Zeit war es wichtig, sorgfältig abzuwägen, was ich wem erzähle.

Und diese alten Muster und Ängste – von Generation an Generation weitergegeben – sind noch so tief in uns gespeichert, dass wir auch jetzt noch meinen, vorsichtig sein zu müssen und wenig von uns preisgeben zu dürfen. Unser Gehirn ist noch voll von alten Glaubenssätzen. Sie lauten: Erzähl bloß nichts über deine Schwächen und wunden Punkte, denn sonst nimmt einer ein Messer und rührt in deinen Wunden um.
Glücklicherweise leben wir nun in einer lichteren Zeit als früher und dürfen nach und nach unsere alten Muster und Glaubenssätze über Bord werfen und Neues ausprobieren.

Und deswegen hab ich auch damit begonnen, mich so zu zeigen, wie ich bin, meine Ängste und Triggerpunkte, meine Wünsche und Vorlieben frei anzusprechen – UND ich hab die Erfahrung gemacht, dass niemand in meinen Wunden umrührt, im Gegenteil, wenn ich mich verletzlich zeige, bekomme ich das, was ich brauche: Mitgefühl und Verständnis, weil mich die Menschen nun besser verstehen. Wie sollen Menschen uns ihr Mitgefühl entgegenbringen, wenn wir ihnen nichts von uns verraten?
Also: Wir bekommen nur dann das, was wir brauchen oder uns wünschen, wenn wir unseren Mitmenschen ohne Maske und Schutzschild begegnen.

Wenn ich aufmache und erzähle, erlebe ich oft, dass andere auch aufmachen und erzählen und dann kommt es zu einem gegenseitigen „Aha, na, sowas, das hab ich ja gar nicht gewusst, du wirkst ganz anders, …“ und dann sehe ich den anderen oder er mich mit neuen Augen und es fällt mir leichter ihn/sie zu verstehen. Vertrauen ist der Wille sich verletzlich zu zeigen. Und wir können darauf vertrauen, dass es gut ausgeht.

In liebevoller Verbundenheit
fühle Dich herzlich umarmt

Deine Anna Ursula Valentina

Quelle Mensch – Wege ins Glück